Ein spezieller Übungskomplex zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur wurde bereits Mitte des letzten Jahrhunderts vom amerikanischen Gynäkologen Arnold Kegel entwickelt – ursprünglich für Frauen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde jedoch wissenschaftlich belegt, dass regelmäßige Kegel-Übungen für Männer ebenso effektiv sind. Sie helfen bei zahlreichen Erkrankungen des Urogenitalsystems, weshalb diese Gymnastik heute erfolgreich zur Vorbeugung und Behandlung von männlicher sexueller Dysfunktion, Harninkontinenz und Prostatitis eingesetzt wird.

Die Durchführung der Kegel-Übungen erfordert keine spezielle sportliche Vorbereitung. Sie können praktisch überall und in jeder Position durchgeführt werden. Die Hauptvoraussetzungen für die Wirksamkeit des Komplexes sind Konsequenz und Regelmäßigkeit. Bei korrekter Ausführung der gymnastischen Übungen ist das Ergebnis oft schon nach zwei Monaten spürbar.

Wozu sind Kegel-Übungen für Männer gut?

Die Kegel-Gymnastik hat eine präventive und therapeutische Wirkung bei Erkrankungen des Darms, der Blase und der Prostata. Sie erhält den Tonus der Damm-Muskulatur und unterstützt die erektile Funktion. Ein regelmäßiges Training bietet folgende Vorteile:

  • Verbesserung der Durchblutung in den Beckenorganen;
  • Normalisierung von Stoffwechselprozessen;
  • Verhinderung von Stauungen des Prostatasekrets;
  • Prävention gegen die Entwicklung von Impotenz;
  • Hilfe bei vorzeitiger Ejakulation (bessere Kontrolle);
  • Beschleunigung von Genesungsprozessen nach Operationen.

Zur Muskulatur des männlichen Beckenbodens gehört der Musculus bulbospongiosus (Teil des Schwellkörpermuskels), der maßgeblich an den Prozessen der Erektion und Ejakulation beteiligt ist. Ein zusätzlicher Bonus des Trainings ist daher eine Steigerung der sexuellen Erregbarkeit und der Ausdauer beim Geschlechtsverkehr.


Basis-Übungen im Sitzen

Die grundlegenden Übungen können diskret im Sitzen durchgeführt werden, zum Beispiel beim Fernsehen, bei der Arbeit am Computer oder während der Autofahrt.

  1. Wechselndes Anspannen und Entspannen: Spannen Sie die Gesäßmuskeln an und ziehen Sie gleichzeitig die Muskeln des Anus nach innen. Beginnen Sie mit zehn Wiederholungen und steigern Sie die Anzahl allmählich auf bis zu fünfzig. Es wird empfohlen, diese Gymnastik 3-4 Mal täglich durchzuführen (z.B. die „Hocker“-Übung).
  2. Beckenbodenanspannung mit Halten: Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur an und halten Sie diese Spannung für 5-10 Sekunden. Machen Sie anschließend eine kurze Pause und bringen Sie die Muskeln erneut in den Tonus. Wiederholen Sie diesen Zyklus täglich etwa 10 Mal. Versuchen Sie nach Möglichkeit, die Dauer der Anspannung sukzessive zu erhöhen.
  3. Unterbrechung des Urinstrahls (Test-Übung): Unterbrechen Sie während des Wasserlassens den Urinstrahl für ein paar Sekunden, entspannen Sie sich dann und setzen Sie das Wasserlassen fort. Wiederholen Sie dies 4-5 Mal pro Toilettengang. Hinweis: Dies dient primär dazu, ein Gefühl für den richtigen Muskel zu bekommen und sollte nicht dauerhaft als Training mit voller Blase durchgeführt werden.
Mann macht Übungen auf einer Matte - Quelle Yandex Bilder
Regelmäßiges Training stärkt den Beckenboden nachhaltig.

Erweiterter Komplex: Übungen im Liegen

Neben dem Basis-Komplex wird empfohlen, zusätzliche Übungen in Rückenlage durchzuführen, um die Intensität zu steigern.

1. Die Schulterbrücke (Gesäß-Brücke)

Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie die Beine an. Die Schulterblätter und Füße sollten fest auf den Boden gedrückt werden. Heben Sie das Becken an, bis Oberschenkel und Oberkörper eine Linie bilden. Halten Sie diese Position am höchsten Punkt für einige Sekunden, senken Sie sich dann ab und entspannen Sie sich. Führen Sie 10-15 Wiederholungen durch.

2. Beinziehen in Rückenlage

Diese Übung wird liegend ausgeführt, am besten auf dem Boden oder einer harten Couch. Legen Sie unbedingt ein kleines Kissen unter den Kopf. Diese Übung mag einfach erscheinen, erfordert aber eine korrekte Ausführung für maximale Effizienz:

  • Legen Sie sich flach auf den Boden, Arme entspannt entlang des Körpers.
  • Ziehen Sie langsam die Beine zu sich heran und spreizen Sie dabei die Knie zur Seite.
  • Halten Sie die Fersen zusammen, während die Knie so weit wie möglich geöffnet werden.
  • Ziehen Sie die Beine so hoch wie möglich und kehren Sie dann langsam in die Ausgangsposition zurück.
  • Führen Sie alle Bewegungen fließend aus. Wiederholungen: 10-15 Mal.

3. Die „Kerze“ (oder Birken-Stellung)

Heben Sie aus der Rückenlage das Gesäß und die gestreckten Beine senkrecht nach oben, wobei Sie sich mit den Händen im Lendenbereich abstützen. Halten Sie diese Position für 5-10 Sekunden, senken Sie dann die Beine und entspannen Sie sich. Es wird empfohlen, zwei Sätze à 10-15 Wiederholungen zu machen.

Wichtige Tipps für die korrekte Ausführung

Sie erzielen den maximalen Effekt durch die Kegel-Übungen für Männer, wenn Sie die Gymnastik technisch sauber ausführen. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Leere Blase: Um den Druck auf die Prostata zu minimieren, sollten alle Übungen (außer dem bewussten Unterbrechen des Urinstrahls zu Testzwecken) nach der Entleerung der Blase durchgeführt werden.
  • Schrittweise Steigerung: Beginnen Sie nicht sofort mit der maximalen Anzahl an Wiederholungen. In den ersten ein bis zwei Wochen reicht eine minimale Belastung aus. Sobald sich die Muskeln gefestigt haben, können Sie die Intensität erhöhen.
  • Atmung: Achten Sie während der Gymnastik auf Ihre Atmung. Sie sollte gleichmäßig und ruhig sein. Es wird empfohlen, durch die Nase zu atmen: Spannen Sie die Muskeln beim Einatmen an und entspannen Sie sie beim Ausatmen (oder umgekehrt, je nach Übungstyp, wichtig ist, nicht die Luft anzuhalten).

Häufige Fehler, die Sie vermeiden sollten

Viele Anfänger machen Fehler, die den Erfolg der Kegel-Übungen für Männer schmälern können. Achten Sie besonders darauf, die isolierte Beckenbodenmuskulatur zu nutzen.

Fehler Korrektur
Anspannen von Bauch, Oberschenkeln oder Gesäß Konzentrieren Sie sich nur auf den Muskel zwischen Hoden und Anus. Legen Sie eine Hand auf den Bauch – dieser sollte entspannt bleiben.
Luft anhalten Atmen Sie frei und fließend weiter. Pressatmung erhöht den Druck im Bauchraum unnötig.
Zu schnelles Aufgeben Muskelaufbau dauert Zeit. Rechnen Sie mit 4 bis 6 Wochen für spürbare Ergebnisse.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft sollte man Kegel-Übungen machen?

Idealerweise sollten die Übungen täglich durchgeführt werden. Drei Einheiten pro Tag mit jeweils 10 bis 15 Wiederholungen gelten als optimaler Standard für Anfänger und Fortgeschrittene.

Helfen Kegel-Übungen bei Erektionsstörungen?

Ja, Studien zeigen, dass ein starker Beckenboden die Durchblutung fördert und hilft, das Blut im Schwellkörper zu halten, was zu einer härteren und länger anhaltenden Erektion führen kann.

Kann man die Übungen falsch machen?

Ja, wenn statt des Beckenbodens die Bauch- oder Gesäßmuskeln angespannt werden oder wenn man presst statt zu ziehen (ähnlich wie beim Stuhlgang pressen ist falsch). Dies kann den Beckenboden sogar schwächen.

Digitale Unterstützung: Apps und Programme

Um eine individuelle Trainingsroutine zu entwickeln, nutzen viele Männer inzwischen technologische Unterstützung. Anwendungen wie „PROSTATIK“ (entwickelt von Unternehmen wie „Telemedizin“) können helfen, individuelle Trainingsprogramme zu erstellen.

Solche Apps bieten oft über die reinen Kegel-Übungen hinaus:

  • Bibliotheken mit 100+ Übungen und Komplexen, entwickelt von Urologen und Fitnesstrainern.
  • Die Möglichkeit, einen eigenen gymnastischen Komplex zusammenzustellen.
  • Erinnerungsfunktionen und grafische Darstellung der Fortschritte.
  • Funktionen wie Online-Konsultationen, Terminbuchungen oder Gesundheitstagebücher.

Ob mit App oder ohne: Das Wichtigste ist, dass Sie heute beginnen. Ihre Gesundheit wird es Ihnen danken.

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