Über das Problem der Prostatitis wird meist nicht laut gesprochen. Man beschwert sich nicht bei Freunden und diskutiert es nicht mit Arbeitskollegen. Auch den Weg zum Arzt treten viele Männer nur zögerlich an. Schließlich ist es kein „Speer in der Brust“: Man erträgt die Schmerzen im Leistenbereich ein wenig, in der Hoffnung, dass sie von selbst vergehen. Leider ist es bei einer Prostatitis bei Weitem nicht so einfach. Lesen Sie unbedingt diesen Artikel und ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse.

Als Prostatitis bezeichnet man eine akute oder chronische Entzündung der Vorsteherdrüse (Prostata). Die weltweite Prävalenz dieser rein männlichen Pathologie liegt bei 5-9 % und verursacht allein in den USA jährlich über 2 Millionen Krankenhausbesuche.

Viele Forscher und praktizierende Urologen gehen davon aus, dass die Häufigkeit der asymptomatischen Prostatitis weitaus höher sein könnte als die aller anderen Arten. Dies wird durch die Tatsache gestützt, dass Entzündungszellen bei Prostatabiopsien und Leukozyten in Spermaanalysen regelmäßig bei Männern ohne jegliche Begleitsymptome gefunden werden.

Die vier Hauptarten der Prostatitis

Art der Erkrankung Beschreibung
Akute bakterielle Prostatitis Plötzlich auftretende, durch Bakterien verursachte Entzündung mit starken Symptomen.
Chronische bakterielle Prostatitis Wiederkehrende bakterielle Infektion, oft mit milderen, aber hartnäckigen Symptomen.
Chronische Prostatitis / Beckenschmerzsyndrom (CP-CPPS) Schmerzen im Beckenbereich ohne nachweisbare bakterielle Infektion. Häufigste Form.
Asymptomatische Prostatitis Entzündung ohne spürbare Symptome, meist zufällig bei anderen Untersuchungen entdeckt.

Ursachen der Prostatitis

Die akute bakterielle Prostatitis wird, wie der Name schon sagt, durch Bakterien verursacht. Dabei handelt es sich hauptsächlich um gramnegative Mikroorganismen – Escherichia coli, Enterobacter, Serratia, Pseudomonas, Enterococcus und andere. Sie dringen auf verschiedenen Wegen in die Prostata ein: entweder durch einen Rückfluss (Reflux) von Urin über die Harnröhre oder über die Lymphgefäße aus einem Entzündungsherd innerhalb des Körpers.

Zu den selteneren Bakterien gehören der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sowie Erreger sexuell übertragbarer Infektionen – Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) und Chlamydien (Chlamydia trachomatis).

Die chronische bakterielle Prostatitis wird am häufigsten durch das Darmbakterium Escherichia coli (75-80 % der Fälle), Pseudomonaden und verschiedene Harnwegserkrankungen ausgelöst. Exotischere Ursachen sind das Tuberkulosebakterium (Mycobacterium tuberculosis) und bestimmte Candida-Pilze. Es mag ungewöhnlich klingen, aber eine chronische bakterielle Prostatitis kann auch durch Viren, einschließlich HIV, provoziert werden. Da HIV das Immunsystem schwächt, begünstigt es die Ausbreitung verschiedener Infektionserreger, und die Prostata bildet hier keine Ausnahme.

Ursachen der chronischen Prostatitis mit chronischem Beckenschmerzsyndrom (CP-CPPS):

  • Blasenhalsobstruktion – Blockade des Blasenausgangs;
  • Pseudodyssynergie – die Unfähigkeit zur vollständigen Entspannung des Schließmuskels (an der Harnröhre!) beim Wasserlassen;
  • Beeinträchtigung der Kontraktionsfähigkeit der Blasenmuskulatur;
  • Verstopfung des Spritzkanals (Ductus ejaculatorius).

Bei CP-CPPS beginnt die Entzündung der Vorsteherdrüse allmählich die Nervenfasern anzugreifen, was zu einer Erhöhung des Muskeltonus im Beckenboden führt – dies äußert sich in Unbehagen und Schmerzen. Der häufigste Schmerzort ist der Damm (63 % der Fälle), gefolgt von Hoden, Schambein und Penis. Dabei beunruhigt der Schmerz diese Patienten viel mehr als die Probleme beim Wasserlassen.

Die Ursachen der asymptomatischen Entzündung sind analog zu denen der chronischen Prostatitis, nur eben ohne spürbare Beschwerden.

Und wenn man auf einem kalten Untergrund sitzt?

In mehreren wissenschaftlichen Studien wurde der Zusammenhang zwischen Prostatitis und der Unterkühlung von Füßen, Beckenorganen und dem gesamten Körper untersucht. Es wurde festgestellt, dass Kälteeinwirkung eine Verschlimmerung der Symptome verursacht und Rückfälle provoziert. Das Sitzen auf kalten Gegenständen, der Aufenthalt in kalter, feuchter oder windiger Umgebung sowie das Barfußlaufen auf kaltem Boden wirken sich negativ auf den Zustand der Prostata aus.

Umgekehrt gilt: Wärme am Damm (für kurze Zeit nach dem Auskühlen, nicht dauerhaft!) sowie der Aufenthalt in wärmerem Klima lindern die Symptome. Halten Sie also Ihre Füße warm und vermeiden Sie eine generelle Unterkühlung des Körpers.

Wie äußert sich eine Prostatitis?

Typische Anzeichen einer akuten bakteriellen Prostatitis sind: erhöhte Körpertemperatur, Probleme beim Wasserlassen, falscher und/oder häufiger nächtlicher Harndrang, Schmerzen im Unterbauch, im Dammbereich oder in der Schambeingegend.

Aus der Harnröhre kann spontan ein schleimiges (weißes) oder schleimig-eitriges (dunkles) Sekret austreten. Vor diesem Hintergrund entwickeln sich allmählich Schüttelfrost und allgemeines Unwohlsein, es können Muskel- oder Kreuzbeinschmerzen auftreten. Beim Wasserlassen, das oft mit starkem Pressen verbunden ist, zeigt sich nur ein schwacher Strahl.

Zu den charakteristischen Merkmalen der chronischen bakteriellen Prostatitis gehören:

  • Intermittierende Dysurie – gelegentlich auftretende Probleme beim Wasserlassen;
  • Periodische Obstruktion der Harnwege – die Unfähigkeit, „klein“ auf die Toilette zu gehen; der Zustand verschwindet und tritt immer wieder auf;
  • Harnwegsinfektionen – einmal behandelt, kehren sie nach einiger Zeit zurück.

Männer mit CP-CPPS klagen meist über Unbehagen oder Schmerzen im Beckenbereich. Die Schmerzen können über dem Schambein, im Damm, im Bereich des Steißbeins oder Rektums, im Hodensack oder in den Hoden auftreten. Nicht jeder Schmerz hat jedoch eine diagnostische Bedeutung: Wichtig ist sein Vorhandensein für mindestens 3 von 6 Beobachtungsmonaten ohne begleitende Harnwegsinfektionen. Es muss also lange und hartnäckig wehtun, und das ohne ersichtlichen Grund. Zusätzlich können Schmerzen bei der Ejakulation und Erektionsstörungen auftreten.

Die asymptomatische Prostatitis verrät sich, wie der Name schon sagt, durch keine besonderen Anzeichen.

Komplikationen der Prostatitis

Eine akute und chronische Entzündung der Vorsteherdrüse wirkt sich negativ auf die Prostata und das umliegende Gewebe aus. Zu den schwerwiegenden Komplikationen gehört die Obstruktion des Blasenausgangs – ein vollständiger Verschluss mit akutem Harnverhalt. Dies ist ein sehr gefährlicher Zustand, bei dem die betroffene Person überhaupt nicht mehr urinieren kann. Er erfordert sofortige notärztliche Hilfe und eine dringende Behandlung.

Ein Prostataabszess tritt in 5 % der Fälle auf und betrifft meist Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Es handelt sich um eine von einer Kapsel umgebene und mit Eiter gefüllte Höhle in der Vorsteherdrüse. Der Abszess kann mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl einhergehen.

Unfruchtbarkeit durch Narbenbildung in der Harnröhre oder den Ejakulationsgängen tritt in weniger als 1 % der Fälle auf. Ein teilweiser Verschluss der Gänge bildet sich bei etwa 4 % der Männer.

Zu den weiteren Komplikationen zählen: wiederkehrende Blasenentzündungen (Zystitis), Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), Nierenfunktionsstörungen sowie eine generalisierte Infektion oder Sepsis (sehr selten). Nicht zu vergessen sind Erektionsstörungen und die damit verbundenen Einschränkungen im Intimleben, die nicht zuletzt durch regelmäßige Schmerzen im Beckenbereich verursacht werden.

Eine unbehandelte Prostatitis könnte das Risiko für Prostatakrebs beeinflussen – die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei älteren Männern in den USA und die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Der genaue Zusammenhang zwischen Prostatitis und Prostataonkologie bleibt jedoch unklar – verschiedene Studien liefern sowohl Null- als auch klinisch signifikante Ergebnisse. Dennoch wird dringend davon abgeraten, die Behandlung einer Prostataentzündung hinauszuzögern.

Wie wird Prostatitis behandelt?

Dafür ist es notwendig, sich rechtzeitig an einen kompetenten Urologen zu wenden.

In unserer Gesellschaft ist es traditionell nicht üblich, sich über „irgendwelchen Ausfluss aus der Eichel“ zu beschweren, weshalb viele Männer jahrelang mit einer Prostatitis herumlaufen. Allmählich geht der akute Prozess in einen chronischen über, und wenn man „Glück“ hat, in einen asymptomatischen chronischen. Der Betroffene denkt dann, er habe das Problem gelöst, obwohl es in Wirklichkeit nie verschwunden ist.

Schieben Sie es daher nicht auf die lange Bank und suchen Sie bei den ersten Anzeichen einer akuten oder chronischen Prostatitis so schnell wie möglich einen Arzt auf. Möglicherweise bestätigt sich die Diagnose nicht – aber Sie werden danach deutlich ruhiger schlafen.

Wie kann man einer Prostatitis vorbeugen?

  • Achten Sie auf Intimhygiene: Dies reduziert die Anzahl der pathogenen Bakterien.
  • Stehen Sie bei sitzender Tätigkeit regelmäßig auf: Langes Sitzen übt Druck auf die Vorsteherdrüse aus, was mit der Zeit zu Entzündungen führen kann.
  • Bewegen Sie sich mehr: Nehmen Sie sich mindestens 3-mal pro Woche 30 Minuten Zeit für körperliche Bewegung. Gehen Sie in zügigem Tempo im Park spazieren, dehnen Sie sich, joggen Sie oder gehen Sie schwimmen.
  • Trinken Sie ausreichend Wasser: Einige Arten von Prostatitis entstehen, wenn Bakterien aus den Harnwegen in die Prostata gelangen. Um diese regelmäßig herauszuspülen, sollten Sie etwa 2 Liter Wasser pro Tag trinken (bei Herz- oder Nierenproblemen vorher den Arzt konsultieren).
  • Übertreiben Sie es nicht mit scharfem Essen: Scharfes Essen verursacht zwar keine Prostatitis an sich, kann aber die Blase reizen und die Symptome der Krankheit verschlimmern.
  • Schränken Sie Koffein und Alkohol ein: Aus denselben Gründen wie bei scharfen Speisen.
  • Halten Sie ein gesundes Gewicht: Übergewicht ist nicht nur schädlich für die Prostata, sondern für den gesamten Organismus.
  • Vermeiden Sie Unterkühlung: Halten Sie sich und insbesondere Ihre Füße und den Beckenbereich warm.
  • Praktizieren Sie Safer Sex: Sexuell übertragbare Infektionen sind ein häufiger Auslöser für Prostatitis.

Das Wichtigste: Wenden Sie sich rechtzeitig an einen Arzt! Haben Sie bemerkt, dass Sie häufiger auf die Toilette müssen? Haben Sie Schmerzen beim Wasserlassen? Tritt etwas Ungewöhnliches aus dem Penis aus? Jedes dieser Symptome ist ein guter Grund für einen raschen Besuch beim Urologen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Prostatitis

Kann eine Prostatitis von selbst verschwinden?

In sehr seltenen Fällen können milde Symptome abklingen, jedoch heilt eine echte bakterielle oder chronische Prostatitis in der Regel nicht ohne ärztliche Behandlung (z.B. Antibiotika oder spezielle Therapien) vollständig ab. Unbehandelt kann sie chronisch werden oder zu schweren Komplikationen führen.

Ist Prostatitis ansteckend?

Die Prostatitis selbst ist nicht ansteckend. Wenn sie jedoch durch sexuell übertragbare Bakterien (wie Chlamydien oder Gonokokken) verursacht wird, können diese Bakterien beim ungeschützten Geschlechtsverkehr an den Partner weitergegeben werden.

Darf man bei Prostatitis Sport treiben?

Moderate Bewegung wie Gehen, Schwimmen oder Gymnastik ist sehr vorteilhaft, da sie die Durchblutung im Beckenbereich fördert. Sportarten, die starken Druck auf den Damm ausüben (wie intensives Radfahren), sollten während der akuten Entzündungsphase jedoch vermieden werden.

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