An jenem Tag war Slavik nicht lange fortgewesen. Als er nach Hause zurückkehrte, war seine Großmutter noch unterwegs an der Landstraße. Es war ungewöhnlich, dass sie sich so verspätete. Der junge Mann stellte das Mittagessen zum Aufwärmen auf den Herd, schnitt frischen Salat und deckte den Tisch. Gerade als er fertig war, trat die Großmutter ein. Sie wusch sich die Hände und setzte sich an den gedeckten Tisch. Ihr Blick ruhte liebevoll auf ihrem Enkel. „Nun, Slavik, du wirst langsam auch gefragt“, begann sie das Gespräch. „Natürlich wenden sie sich vorerst nur an mich, aber wenn du erst einmal die Schule beendet hast, wirst du selbst Patienten empfangen. Slaviks besondere Gabe wird dann vielen Menschen helfen.“ Zukunftspläne und medizinische Ausbildung Slavik schüttelte leicht den Kopf. „Oma, ich habe dir doch schon von meinen Plänen erzählt. Nach der Schule werde ich eine Ausbildung zum Feldscher machen. Bis dahin ist Antonina Voronova für die Menschen zuständig.“ „Du hast es gesagt…“, seufzte sie. „Es macht mir trotzdem angst, dass du von zu Hause weggehen wirst.“ „Ich werde mich in Twer bewerben, das ist gar nicht so weit weg“, beruhigte er sie. „Ich werde jedes Wochenende nach Hause kommen.“ „Twer ist gut, das ist näher am Haus“, stimmte die Großmutter zu. Dann wechselte sie das Thema. „Aber worauf ich hinauswollte: Ein Mann hat bei mir Medizin bestellt. Er sagt, es sei gegen Prostatitis. In einer Stunde wird er wieder an der Stelle sein und warten. Du bringst ihm die Medizin, oder? Ich bereite in der Zwischenzeit die Gläser vor, um Walderdbeeren zu sammeln, und du fährst schnell mit dem Fahrrad hin und zurück. Abgemacht?“ „Abgemacht“, antwortete der Enkel und versank in Gedanken. Nach dem Essen begann die Großmutter mit dem Abwasch, und Slavik ging in den Vorraum, wo sein alter Schrank mit Tinkturen und fertigen Kräutermischungen stand. Er streckte die Hand nach einem der Mittel aus, zog sie dann aber ruckartig zurück. Unschlüssig begann er, die Gläser zu sortieren. Schließlich nahm er nichts mit, schwang sich auf sein Fahrrad und fuhr den schmalen Pfad zur Landstraße hinunter. Eine harte Diagnose Dort wartete bereits ein Mann auf die Großmutter. Slavik ging auf ihn zu und fragte, ob er auf Antonina Voronova warte. Der Mann nickte. „Ich bin ihr Enkel.“ Slavik musterte den Mann aufmerksam, trat näher und schien fast die Luft um ihn herum zu wittern. Es war ein spezifischer, schwerer Geruch, den nur er wahrnehmen konnte – der Geruch von Krankheit, der nichts mit Kräutern zu tun hatte. „Warum starrst du mich so an und schnüffelst?“, fragte der Mann irritiert. „Das hat Ihnen nur so geschienen“, wich Slavik aus, aber sein Blick wurde ernst. „Großmutter lässt ausrichten, dass Sie dringend zum Arzt gehen sollen. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.“ „Zu welchem Arzt? Zum Urologen? Da war ich doch schon! Er hat mir irgendwelche Tabletten verschrieben, aber die helfen überhaupt nicht. Ich dachte, deine Großmutter könnte helfen. Sie sagte, in einer Stunde sei die Medizin fertig.“ Slavik holte tief Luft. Er wusste, dass das, was er jetzt sagen würde, grausam klingen mochte, aber es war notwendig. „Sie behandelt keine Onkologie. Wenn Sie nach der Operation wieder fit sind, können Sie sie im Dorf aufsuchen. Aber jetzt müssen Sie sich beeilen. Wenn Sie Zeit verlieren, verlieren Sie Ihr Leben.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, stieg er schnell auf sein Fahrrad und fuhr davon. Er konnte noch keinen Krebs heilen. Vielleicht später, wenn seine Kräfte wuchsen, aber sicher nicht jetzt und nicht hier an der Landstraße. Dafür brauchte es mehr als nur Kräuter. Die Last der Wahrheit Zu Hause angekommen, fragte die Großmutter sofort: „Und? Hast du es ihm gebracht?“ „Nein, Oma. Ich kann keine Onkologie heilen“, antwortete Slavik mit brüchiger Stimme. Ein Kloß saß in seinem Hals. Die Erkenntnis seiner eigenen Machtlosigkeit schmerzte. „Ach du meine Güte, du musstest ihn abweisen? Hast du ihm wenigstens nicht direkt gesagt, was er hat?“ „Ich habe es ihm gesagt. Weil es so eine Chance gibt. Wenn er wieder von Arzt zu Arzt rennt und Zeit verschwendet, verpasst er den Zeitpunkt für eine Operation.“ „Oh, man darf das nicht so direkt sagen. Die Nerven des Menschen könnten versagen.“ „Dafür bekommt er eine Chance auf Leben“, antwortete Slavik hart. Seine Stimme klang fest und erwachsen, ganz anders als noch vor einem halben Jahr. Die Großmutter schwieg und seufzte. Vielleicht hatte der Enkel recht. Schweigend nahm sie den Korb und ging zum Tor. Slavik folgte ihr mit seinem unveränderlichen Schulrucksack. An diesem Abend sprachen sie nicht mehr darüber, doch Slavik war stiller als sonst. Es war das erste Mal, dass er jemandem die Hilfe verweigern musste. Begegnungen und Freundschaften In den folgenden Tagen arbeiteten beide im Garten. Zwei Tage später besuchte Slavik Großvater Kuzma. Ihm ging es viel besser, die Genesung schritt voran. Als Slavik ging, begleitete ihn Tanya ein Stück. „Hör mal, bring Petya nicht mehr mit. Er ist irgendwie seltsam, das hatte ich nicht erwartet“, sagte sie plötzlich. „Was hat er denn gesagt? Was stimmt nicht?“ „Alles stimmt nicht. Er redet nur über die Landwirtschaft. Wie viel Milch die Kuh gibt, ob wir eine zweite Färse halten, womit wir füttern. Das ist so langweilig!“ Slavik lächelte verständnisvoll. „Ich verstehe dich, Tanya, aber sei ihm nicht böse. Er hält das für wichtig und will zeigen, dass er wirtschaftlich denkt. Zu Hause lassen ihn seine Brüder hart arbeiten. Eigentlich ist er ein kluger Kerl und ein guter Freund. Und noch etwas: Er hat gesehen, wie Lida mit einem anderen ins Kino gegangen ist. Das hat ihn verletzt.“ Charaktereigenschaften im Vergleich Um die Situation besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die unterschiedlichen Lebenswelten der Freunde: Name Interessen Zukunftspläne Problem Slavik Medizin, Kräuter, Natur Feldscher-Ausbildung in Twer Die Last seiner „Gabe“ Petya Landwirtschaft, Hofarbeit Unsicher, evtl. Feldscher Fokussiert zu sehr auf Arbeit, wirkt langweilig auf Mädchen Tanya Stadtleben, Romantik Schule beenden Genervt von „Landgesprächen“ Ein Gespräch am Flussufer Ein paar Tage später fuhren Slavik und Petya an das Ufer der Wolga. Nach dem Schwimmen lagen sie im Gras und trockneten in der Sonne. „Weißt du“, begann Petya, „ich habe diese ganze Wirtschaft satt. Mein älterer Bruder kommandiert mich herum, als ob ich ihr Knecht wäre. Aber wenn ich das Fahrrad will, heißt es, ich hätte es nicht verdient.“ „Weißt du, Petya, du redest auch ständig nur über Wirtschaft, Milcherträge und Futter. Wahrscheinlich trifft sich Lida deshalb mit dem Jungen aus der Stadt.“ Petya richtete sich auf. „Meinst du?“ „Denk doch mal nach. Worüber redest du mit ihr? Sie hat keine Ahnung von Landwirtschaft. Sprich über Sterne, darüber, dass es dort vielleicht Leben gibt, über die Natur oder den letzten Film. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?“ „Ein Buch? Wann denn? In der Schulbibliothek gibt es nur Pflichtlektüre. Und Filme schauen nur die Älteren. Ich muss hier weg.“ Slavik sah seinen Freund ernst an. „Petya, du musst dich ändern. Stell dir vor, wie fremd du dich in der Berufsschule fühlen wirst. Versuch zu lesen. Und rede mit Mädchen nicht über Kühe. Hör mal, wenn du willst, gehen wir zusammen zur Ausbildung als Feldscher. Du hast doch keine Angst vor Blut, oder?“ „Ich werde darüber nachdenken. Vielleicht hast du recht. Glaubst du wirklich, dass es auf den Sternen anderes Leben gibt?“ „Ich glaube schon“, sagte Slavik und blickte in den weiten Himmel über der Wolga. Ratschläge für Petya Themenwechsel: Weniger über Arbeit, mehr über Träume und Hobbys sprechen. Bildung: Bücher lesen, auch außerhalb des Lehrplans. Perspektive: Eine medizinische Ausbildung als Ausweg aus der familiären Enge in Betracht ziehen. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Warum hat Slavik dem Mann die Medizin verweigert? Slavik erkannte durch seine besondere Gabe, dass der Mann nicht an Prostatitis, sondern an einer onkologischen Erkrankung (Krebs) litt. Kräuter hätten hier nicht geholfen, nur eine schnelle Operation konnte sein Leben retten. Was plant Slavik für seine Zukunft? Slavik möchte nach der Schule nach Twer gehen, um eine Ausbildung zum Feldscher (medizinische Fachkraft) zu absolvieren, da er seine heilenden Fähigkeiten mit medizinischem Wissen kombinieren will. Warum hat Tanya das Interesse an Petya verloren? Tanya fand Petya langweilig, da er ausschließlich über landwirtschaftliche Themen wie Kühe, Futter und Milcherträge sprach, anstatt über allgemeinere oder romantische Themen. Beitragsnavigation Prostatitis verstehen: Ursachen, Symptome und die neue App „Prostatic“ Chronische bakterielle Prostatitis: Symptome, Ursachen und effektive Behandlung