Die Prostatitis (Entzündung der Vorsteherdrüse) wurde erstmals bereits im Jahr 1838 beschrieben. Doch auch heute noch wirft diese Erkrankung bei Diagnose und Therapie viele Fragen auf. Was genau verbirgt sich dahinter? Wir erklären die Zusammenhänge basierend auf den Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin und Expertenmeinungen, wie der Urologin Yulia Bogdanova von Docma.ru.

In diesem Artikel erfahren Sie alles über die verschiedenen Formen der Prostatitis, warum sie entsteht und welche modernen Behandlungsmethoden wirklich helfen.

Arten der Prostatitis: Eine Klassifikation

Um die Krankheit effektiv zu behandeln, muss man verstehen, mit welcher Form man es zu tun hat. Bereits 1999 wurden alle Formen der Prostatitis durch die National Institutes of Health (USA) in vier Kategorien unterteilt. Diese Klassifizierung ist bis heute der Goldstandard für eine präzise Diagnose und die Wahl der richtigen Therapiestrategie.

Kategorie Bezeichnung Beschreibung
I Akute bakterielle Prostatitis Eine plötzlich auftretende Infektion mit starken Symptomen.
II Chronische bakterielle Prostatitis Wiederkehrende Infektionen der Prostata.
III Chronisches Beckenschmerzsyndrom (CPPS) Kann entzündlich oder nicht-entzündlich sein. Ursache oft unklar, keine Bakterien nachweisbar.
IV Asymptomatische entzündliche Prostatitis Keine Beschwerden; wird oft zufällig bei einer Biopsie oder Untersuchung entdeckt.

Warum entsteht eine Prostatitis?

Während die Ursache für das chronische Beckenschmerzsyndrom (Kategorie III) bis heute oft unklar bleibt und einen multidisziplinären Behandlungsansatz erfordert, sind die Ursachen der bakteriellen Formen besser erforscht.

Die akute bakterielle Prostatitis (ABP)

Dies ist die häufigste urologische Erkrankung bei Männern unter 50 Jahren. Warum es genau einen bestimmten Mann trifft, lässt sich nicht immer mit Sicherheit sagen, aber es gibt bekannte Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erhöhen:

  • Reflux von Urin: Rückfluss von Urin in die Prostatagänge bei Blasenentleerungsstörungen.
  • Verhaltensfaktoren: Langes sexuelles Verzicht oder im Gegenteil exzessive sexuelle Aktivität.
  • Ungeschützter Verkehr: Insbesondere Analverkehr oder traumatische sexuelle Praktiken.
  • Phimose: Verengung der Vorhaut.
  • Autoimmunerkrankungen: Störungen des Immunsystems.
  • Psychologische Faktoren: Es gibt einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen psychischem Stress und chronischer Prostatitis.

Symptome erkennen

Eine akute Prostatitis oder eine Verschlechterung einer chronischen Form lässt sich meist schnell diagnostizieren, da die Symptome sehr ausgeprägt sind:

  • Schmerzen im Dammbereich oder im Unterbauch.
  • Häufiger Harndrang.
  • Schmerzhaftes oder erschwertes Wasserlassen.
  • In einigen Fällen hohes Fieber und Schüttelfrost.

Wie wird Prostatitis diagnostiziert?

Bei Verdacht auf eine bakterielle Entzündung führt der Urologe zunächst eine Anamnese durch und nutzt spezielle Fragebögen zur Bewertung der Symptome. Ein zentraler Bestandteil ist die rektale Untersuchung der Prostata, um Größe, Dichte, Kontur und Schmerzempfindlichkeit zu beurteilen. Dabei können auch die Muskeln des Beckenbodens untersucht werden, da Verspannungen hier oft Prostatitis-ähnliche Schmerzen verursachen.

Der Goldstandard: Die Meares-Stamey-Probe

Der wichtigste Labortest ist die Vier- oder Zweigläserprobe. Dabei wird der Urin und dessen Inhalt vor und nach einer Prostatamassage untersucht.

Wichtig: Eine Prostatamassage ist medizinisch nur gerechtfertigt, wenn sie zur Gewinnung von Prostatasekret für diese Analyse dient. Bei einer akuten Prostatitis ist Vorsicht geboten! Bei Verdacht auf einen Abszess kann eine Massage gefährliche Komplikationen, wie eine Sepsis, auslösen. Therapeutische Massagen gelten in der modernen evidenzbasierten Medizin als obsolet.

Ein Ultraschall ist für die primäre Diagnose nicht zwingend erforderlich, kann aber vom Arzt angeordnet werden, um Komplikationen (wie Restharnbildung oder Abszesse) auszuschließen. Andere Tests wie einfache Urinanalysen oder Spermiokulturen sind ohne die differenzierte Gläserprobe oft wenig aussagekräftig.

Wie wird Prostatitis behandelt?

Die Behandlung der bakteriellen Prostatitis (akut oder chronisch) basiert auf dem Einsatz von Antibiotika. Nicht jedes Antibiotikum dringt gut in das Prostatagewebe ein, daher ist die Wahl des richtigen Präparats durch einen Urologen entscheidend.

  • Antibiotika: Die Basis der Therapie bei bakteriellen Ursachen.
  • Alpha-Blocker: Medikamente, die die Muskulatur an Blase und Prostata entspannen und das Wasserlassen erleichtern.
  • Entzündungshemmer (NSAR): Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung (z.B. Ibuprofen).

In schweren Fällen einer akuten Prostatitis kann ein Krankenhausaufenthalt mit intravenöser Antibiotikagabe notwendig sein.

Prävention und Lebensstil (Zusätzliche Empfehlungen)

Obwohl nicht alle Fälle von Prostatitis vermeidbar sind, können bestimmte Änderungen des Lebensstils das Risiko verringern und die Prostatagesundheit allgemein fördern:

  1. Hygiene: Achten Sie auf gute Intimhygiene, um das Eindringen von Bakterien in die Harnröhre zu verhindern.
  2. Hydratation: Trinken Sie ausreichend Wasser. Dies hilft, die Harnwege regelmäßig durchzuspülen.
  3. Bewegung: Vermeiden Sie langes Sitzen, das Druck auf die Prostata ausübt. Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung im Beckenbereich.
  4. Sicherer Sex: Die Nutzung von Kondomen schützt vor sexuell übertragbaren Infektionen, die eine Prostatitis auslösen können.
  5. Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, reich an Antioxidantien, Obst und Gemüse, unterstützt das Immunsystem.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann man sich im Schwimmbad mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken?

Dies ist eine häufige Sorge, aber die Antwort ist beruhigend: Nein. Bakterien und Viren, die sexuell übertragbare Krankheiten verursachen, überleben im chlorhaltigen Wasser und außerhalb des menschlichen Körpers in der Regel nicht lange genug, um eine Infektion zu verursachen.

Ist Prostatitis ansteckend?

Die Prostatitis selbst ist nicht ansteckend. Wenn sie jedoch durch eine sexuell übertragbare Infektion (STI) ausgelöst wurde, kann diese Infektion an den Partner weitergegeben werden. In solchen Fällen sollten beide Partner untersucht werden.

Wie lange dauert die Behandlung einer chronischen Prostatitis?

Die Behandlung kann langwierig sein. Bei einer chronischen bakteriellen Prostatitis werden Antibiotika oft über einen Zeitraum von 4 bis 6 Wochen verschrieben, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig beseitigt ist.

Haben Sie ähnliche Symptome erlebt? Zögern Sie nicht, einen Arzt aufzusuchen. Eine zweite Meinung und kompetente Beratung finden Sie auf Plattformen für evidenzbasierte Medizin.

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